Schlechtes Gewissen bei Sportpause

Vorm Schlafen gehen wollte ich noch kurz ein paar Nachtgedanken mit euch teilen. Ich war den ganzen Tag ziemlich busy. Alles, was ich für heute geplant hatte, hat dann doch um einiges länger gedauert. Irgendwann war es 21 Uhr und ich hatte einen meiner geplanten Punkte noch nicht geschafft: das Training im Fitnesscenter. Und mein Gewissen brachte mich um.

Um 21:45 war ich mit all meinen Aufgaben fertig und mich zerfraß es von innen. Ich hatte fest geplant heute zu trainieren. Ich hatte am Mittwoch schon einen Pausentag. Heute hatte ich mich kaum bewegt. Vor einigen Wochen hatte ich eine ganze trainingsfreie Woche (hier) und da habe ich beschlossen, jetzt nicht mehr locker zu geben. Und ich hatte heute (wahrscheinlich vor Schlafmangel) unglaubliche Lust auf Süßes und habe eine halbe Tüte leer genascht. Jetzt MUSS ich also trainieren.

Mein Kopf drehte sich komplett im Kreis und ich wusste nicht was ich tun sollte. Mir war klar, dass es Wahnsinn wäre um 22 Uhr noch trainieren zu gehen. Und ich war so müde. Erschöpft vom Tag. Aber mein Gewissen sagte mir, dass ich aus 100 Gründen mein Training nicht ausfallen lassen dürfe.

Die Entscheidung fiel, als meine Eltern mir sagten, dass die Sauna nun warm sei. Ich beschloss die Chance zu nutzen, es mir gemütlich zu machen, den Abend frei zu nehmen und zu genießen. Und gerade habe ich über diese Entscheidung etwas nachgedacht.

Was macht ein fehlendes Training aus? Meint ihr, das sieht man an meinem Körper? Oder zwei fehlende Trainings? Natürlich nicht. Es ist genauso, wie mit Süßigkeiten oder Burger essen. Von einem Salat wird man nicht dünn. Von einem Burger auch nicht dick. Und auch wenn es ein oder zwei Trainings jede Woche wären, who cares? Meinst du, deine Familie und Freunde haben dich weniger lieb, wenn du deinen Bizeps nicht ganz so gut anspannen kannst?

Und an was wirst du dich am Ende des Jahres erinnern? An die 300 Workouts? Oder an die Tage und Abende, die du nicht im Fitnesscenter warst? An die Abende auf dem Weihnachtsmarkt, im Restaurant, Spieleabende, oder Abende mit Sauna und danach mit Tee und Leckereien eingekuschelt im Bett? Filme gucken, Pizza essen, quatschen mit der Schwester? Welche Erinnerungen ziehst du vor – Tag für Tag alleine auf dem Stairmaster, oder weihnachtliche Momente zuhause?

Warum, um Himmels Willen, hatte ich jemals ein schlechtes Gewissen?

Share:

16 Comments

  1. 21/12/2016 / 18:50

    Liebe Lotti,
    danke für deinen ehrlichen Blogpost. Ich glaube, inzwischen geht es leider so vielen Hobbysportlern genau so und das ist furchtbar! Die Grenze zwischen Leidenschaft und Sucht ist eben sehr schmal und ich glaube, da müssen wir alle auf uns aufpassen. Aber ein verpasstes Training ist eben kein Weltuntergang. Eine Woche Pause auch nicht. Früher dachte ich aber auch anders. Es mussten erst mehrere Schleimbeutelentzündungen, ein Ermüdungsbruch und ein Bandscheibenvorfall kommen, bis ich das verstand. Vielleicht magst du ja meine Gedanken dazu mal lesen: http://www.laufvernarrt.de/2016/05/07/die-sache-mit-der-sportsucht/
    Wünsche dir eine ruhige Weihnachtszeit :)
    Paula
    http://www.laufvernarrt.de

  2. Kurhexe
    20/12/2016 / 23:41

    Mega guter blogpost nur finde ich jeden Tag 100 ausreden nichts zu tun ich muss mein arsch hoch kriegen

  3. 20/12/2016 / 13:27

    Richtig erfasst. Jedoch denkst du anders, wenn du bei Kilometer Drei schon Krämpfe bekommst und du schwörst, „ab jetzt trainiere ich regelmäßig“ 😀

    Nach dem Sport sind diese Gedanken aber wieder verflogen. Also alles gut :)

  4. 20/12/2016 / 12:11

    Ich glaube auch manchmal ich habe eine Macke, wenn ich ein schlechtes Gewissen habe nicht zum Sport zu gehen, weil ich krank bin oder so 😀

  5. Nina
    20/12/2016 / 09:29

    Wow was für ein toller blogpost! Ich bin seit gestern krank und war jetzt auch schon am überlegen trotzdem Sport zu machen… aber es ist besser sich auszukurieren damit sich der Körper mal erholen kann!
    Danke dir❤
    Liebe Grüße
    Nina

  6. bonjour_juliaa
    19/12/2016 / 23:28

    Toller post! Und ich liebe deinen verweihnachtlichen Blog!

  7. Nora
    19/12/2016 / 18:25

    Schöner Post Lottie! Kenne ich nur zu gut, aber du hast Recht. Ein Workout mal ausfallen zu lassen,macht wirklich nichts.

  8. Caro
    19/12/2016 / 18:15

    Du hast es mal wieder auf den Punkt getroffen!
    Mir fällt es auch immer unendlich schwer kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich es mal nicht zum Sport geschafft habe oder wenn ich ein paar Lebkuchen und Plätzchen zu viel gegessen haben.
    Danke, dass du uns daran erinnerst nicht zu vergessen was die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind!

  9. Thekla
    19/12/2016 / 16:35

    Liebe Lottie,

    danke für diesen wunderbaren Beitrag. Ich werde ihn mir merken und ihn mir durchlesen, wenn ich mich mal wieder in der gleichen Situation befinde. So oft ging es mir schon genauso wie dir und diese Gedanken zu dem Thema haben mir in diesen Momenten gefehlt. Deine Fähigkeit deine Gedanken so gut in Worte zu verwandeln bewundere ich sehr!

    Mit ganz lieben Grüßen und viel Spaß bei deinem nächsten Workout,
    Thekla

  10. Chantalle97
    19/12/2016 / 16:04

    Liebe Lottie 💕 Ich denke das man sowohl im Fitnessstudio als auch in jeder anderen Situation schöne Erinnerungen sammeln kann! Es kommt da mehr auf die Einstellung und natürlich auf das Umfeld an aber wenn man durch ein Training stolz auf sich selbst ist und zufriedener wirkt sich das auch auf andere aus. Mit der richtigen Einstellung und viel Freude kann man sich dazu entscheiden schöne Momente passieren zu lassen und dann hat man am Ende des Jahres und am Ende des Lebens die schönsten Erinnerungen aus ganz verschiedenen Momenten. Ich denke die Balance ist da ganz wichtig und vor allem jetzt in dieser besinnlichen Zeit kann man sich ruhig mal zuhause einkuscheln. 😊
    Die letzte Weihnachtswoche hat gerade begonnen und wir alle sollten sie nochmal richtig genießen und uns nicht selbst Vorwürfe für irgendwas (egal ob Sport oder etwas ganz anderes) machen.

    Ganz liebe Grüße 👋🏻
    Und eine schöne restliche Adventszeit an alle 🎄

  11. 19/12/2016 / 14:33

    Hey!

    Ach ich kenn das mit dem schlechten Gewissen leider nur zu gut. Ich hab bestimmt schon 2 Monate nicht trainiert. Und gerade jetzt wo die Weihnachtsfeiertage beginnen, plagt mich oft das schlechte Gewissen.

    Aber irgendwie denke ich dann daran, wie viel Zeit ich mit meiner Familie verbringen kann anstatt im Fitnessstudio zu sein. Denn das sind, wie du geschrieben hast, die Erinnerungen die bleiben, nicht die absolvierten Workouts.

    Bleib so wie du bist!

    Moi moi,
    Jules

  12. Julia-Anna
    19/12/2016 / 14:26

    Hmm ich kenne genau das selbe Gefühl, wirklich schwierig… aber im Endeffekt hast du 100% mit dem was du geschrieben hast! Besonders zur Weihnachtszeit sollte man es genießen, Zeit mit der Familie zu verbringen. Ich wünsche dir eine ganz besinnliche Weihnachtszeit und viel Zeit für dich und deine Familie! Mach dir keine allzu großen Sorgen wenn du einmal nicht zum Training kannst, du bist ja sonst das ganze Jahr immer so konsequent dabei :)

  13. Carina K.
    19/12/2016 / 12:48

    Man sollte immer den Moment genieße. Und das tun, wozu man gerade Lust hat. Wenn man sich auspowern möchte, ist es super, aber wenn man einfach mal das Bedürfnis nach etwas Entspannung und Ruhe hat, sollte man genau dieses tun und genießen. We only live once 💕💜

  14. 19/12/2016 / 12:47

    Oh Gott Lottie! Vielen vielen Dank für diesen Post hier!
    Ich war gestern Abend noch auf einen „Sonntagstreff“. Ein gemütlicher Abend in einem Club. Es wird etwas Electro gespielt. Man trifft sich mit Freunden und lässt das Wochenende gemütlich ausklingen, indem man, wenn auch nicht lange, gemütlich feiern und tanzen geht.

    Wir hatten uns auch über eine Freundin unterhalten, die ständig laufen geht, fast täglich, oder dann statt laufen vllt dann schwimmen oder einen Yogakurs oder Mountainbiken. Sie hatte erst eine Verletzung durch den übermäßigen Sport, .. hatte sie dann aber auf einen anderen Grund geschoben.

    Als wir noch zusammen in einem Ort gewohnt hatten, hat sich das fast abgefärbt. Wenn ich nicht laufen war, dann habe ich geheult, weil ich wusste, dass sie wieder gegangen ist. Sie geht auch ohne mich, länger, öfters.. Das hat mich wirklich verrückt gemacht.

    Seitdem ich dazu Abstand genommen habe, bin ich wirklich glücklicher. Der Körper braucht auch mal eine Pause. Nichts geht über Sport, aber zu viel Sport ist auch nicht gesund. Man muss einfach zufrieden mit sich sein und nicht mit jemanden um die Wette laufen.

    Nicht falsch verstehen, diese Freundin ist auch nach ihrer Verletzung wieder sehr im Sportfieber und hat sich nun für ihren ersten Marathon (40 km) angemeldet. Plant mit ihrem neuen Freund schon den Umbau einer Wohnung von dessen Eltern und Kinderplanung steht auch schon an.

    Manchmal denk ich mir, dass alles an mir vorbeizieht. Weil ich nicht mithalten kann. Alles und jeder ist schneller, besser, ehrgeiziger… Aber warum eigentlich?
    Gestern als ich diese Freundin, die wirklich eine sehr gute Freundin von mir ist, gesehen habe, war trotz, dass sie mir wieder von Zukunftsplänen erzählt hat, zufrieden mit mir und den Abend.
    Manchmal ist es eben so, dass andere in anderen Lebenssituationen stecken. Niemals sollte man sich unter Druck setzen, dass man mal nicht Sport gemacht hat, mal nicht schon sein ganzes Leben mit Herausforderungen und Zielen abgesteckt hat.

    Der Abend gestern wird mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben, weil die Musik wirklich gut war und ich mich gefreut habe ein paar Leute zu sehen. Ja und ich bin um 2 ins Bett und habe heute keinen Sport gemacht und werde ich auch nicht, weil ich noch später auf ein Konzert nach Frankfurt gehe.

    Träume, Ziele und Ambitionen sollte man haben, aber man sollte sich nicht von ihnen verrückt machen lassen. Die Welt dreht sich dadurch auch nicht schneller.

  15. Linda
    19/12/2016 / 12:38

    Oh Lottie!!! Was für ein wunderwunderwundervoller Text! Ich kenne dieses Gefühl so gut, wenn es Dich innerlich zerreißt, Du mit Dir selbst und allem haderst und Dir beim Blick in den Spiegel einbildest direkt sehen zu können, dass Du einen trainingsfreien Tag gemacht hast. Unser Kopf kann da wahnsinnig verrückt spielen und so manches Hirngespinst wachsen lassen. Aber am Ende hast Du so verdammt recht mit dem, was Du sagst. Ein oder auch zwei, drei Trainingseinheiten weniger ändern nicht sofort die ganze Welt. Wir sollten nicht so hart zu uns selbst sein. Und gerade an Tagen, an denen wir wahnsinnig viel zu tun und am Ende auch geschafft haben, sollten wir uns nicht dafür verurteilen, dass es für eine Sporteinheit nicht mehr gereicht hat. Stattdessen sollten wir stolz sein, dass wir so viele andere Dinge erledigt haben, uns einen entspannten Abend gönnen und dann am nächsten Tag wieder durchstarten. Vielleicht ja auch mit Sport, aber selbst wenn nicht, die Menschen um uns herum werden uns nicht weniger Wert schätzen, wie Du so schön selbst geschrieben hast. Ein toller Post, dessen Inhalt wir uns immer wieder vor Augen führen sollten, wenn es mal schwieriger ist, die Sportroutine durch zu ziehen. Das macht uns nicht zu einem schlechteren Menschen. Entscheidend ist, dass wir unsere Prioritäten setzen und manchmal gibt es einfach wichtigere und wertvollere Dinge als Sport.
    Fühle Dich gedrückt
    Deine Linda

  16. Florentine
    19/12/2016 / 12:33

    YES Lottie!
    Zu 100% JA.
    Mach weiter so, du bist toll!
    Liebe Grüße und frohe Festtage wünsche ich dir aus der Schweiz,
    Florentine