Ich habe Panikattacken

Mein Herz rast, ich weiss nicht was ich tun soll, ich weiß nicht ob ich reagieren sollte oder lieber gar nichts tun sollte, ich beiße meine Zähne zusammen, ich will weinen, und dann ist die Chance vorbei und mir geht es im Prinzip noch schlechter. Den ganzen Tag lang, oder sogar noch länger. Eigentlich bis die Situation geklärt ist. Und bis dahin gibt es höchstwahrscheinlich schon das nächste Problem, das mich verrückt macht und alles beginnt von vorne.

Ich muss eins der positivsten, fröhlichsten, aufgedrehtesten 23-jährigen sein, die man finden kann. Wenn ich dich mag, werde ich ohne Ende mit dir quatsche nund vor mich hin blubbern. Das ist aber auch wiederum der Grund, warum manche Menschen gar nicht nachvollziehen können, dass ich solche Panikattacken kriegen kann. Lottie doch nicht!

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Aber doch, genau ich. Ich habe Angst vor bestimmten Dingen. Und diese Dinge wecken eine riesige Panik in mir. Es fühlt sich komisch an, euch davon zu erzählen, denn ehrlich gesagt klingt es auch in meinen Ohren etwas lächerlich, und ich weiß, dass viele Menschen gar nicht nachvollziehen können wovon ich rede. Aber lasst es mich erklären.

Ich habe Angst vor Anrufen. Ich kann niemanden anrufen, und ans Telefon gehe ich auch nur, wenn wirklich gute Freunde oder Familienmitglieder anrufen – und selbst dann nicht immer. Ehrlich gesagt habe ich sogar Angst vor Sprachnachrichten. Meine Mailbox kann ich mir nicht anhören, und bei Whatsapp-Sprachnachrichten kommt es darauf an von wem sie sind. Manchmal kann ich sie tagelang nicht öffnen oder lasse meine Schwester erst einmal reinhören, um zu checken ob sie okay sind.

Meine nächste Angst ist fast noch schlimmer, denn sie hat so gut wie immer eine Auswirkung auf meinen Kontostand. Ich habe eine riesige Angst davor, Flüge zu buchen. Oder eigentlich Reisen generell. Ich weiß nie, welchen Flug ich genau nehmen soll und habe total Angst, irgendetwas zu verpassen oder falsch zu machen, wenn ich mich für einen entscheide. Letztendlich werde ich mir tage- oder wochenlang Gedanken machen, wann es wohl am besten wäre zu fliegen, ich kriege Panikattacken, schwitze, diskutiere, überlege, überlege neu, bis der Flug fast doppelt so teuer ist und ich komplett pleite gehen würde. Allein dieses Jahr ist es deshalb schon ganze drei Mal passiert, dass ich die Reisen komplett habe ausfallen lassen, weil ich mir zum Schluss einfach die Flüge nicht mehr leisten konnte!

Außerdem mag ich keine Menschen, die ich nicht kenne. Ich bin echt nicht besonders sozial und vor allem Gruppen an neuen Menschen machen mir Angst. Dann wird die fröhliche, aufgedrehte kleine Lottie plötzlich zu dem schüchternen Mädchen in der Ecke. Was total verrückt ist – das hat der letzte Samstag komplett bewiesen, als meine Freundin mich mitgeschleppt hat um komplett neue Menschen kennenzulernen. Und obwohl ich mich am Anfang schon ziemlich gescheut und versteckt habe, hatten wir letztendlich einen echt tollen Abend! Anders als andere Menschen, die mit solcher Panik zu kämpfen haben, habe ich aber wiederum kein Problem damit, vor Menschen aufzutreten. Das fällt mir eigentlich meist sogar sehr leicht. Gott sei Dank dafür!

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Aber was viel wichtiger ist: ich muss mit diesen Situationen umgehen, auch wenn die mir Angst machen. Es gibt keinen Weg um sie herum. Und es gibt drei Dinge, die ich gelernt habe um das zu tun:

  1.  Die Gesamtsituation beachten. Macht es wirklich so einen großen Unterschied, wenn ich einen Tag früher oder später reise? Wie werde ich es in einem Jahr sehen? Denke ich dann an diesen Tag oder ist es irgendwann eh egal? Meist macht es nämlich echt keinen Unterschied, also warum mache ich mir all diese Sorgen? 
  2. Daran denken, wie ich mich danach fühlen werde. Ich werde erleichtert sein. Mir wird es besser gehen. Die Panik wird vorbei sein. Das ganze Grübeln wird vorbei sein. Wahrscheinlich wird all das sich in etwas wundervolles verwandeln! Also warum versuche ich nicht möglichst schnell dort hin zu gelangen?
  3. Rede mit jemandem. Meist reicht es schon meiner kleinen Schwester zu erzählen, dass ich Panik davor habe, Reisen zu buchen oder wen anzurufen. Oder Briefe zu öffnen (vor allem Rechnungen!). Sie muss nicht einmal viel dazu sagen – ich selber werde ganz schön schnell realisieren wie bescheuert ich gerade mal wieder bin!  😛

Nummer 2 ist wirklich am hilfreichsten. Das Wissen, wie gut es mir danach gehen wird. Aber ich muss zugeben, dass ich auch einige natürliche Anti-Panik-Medikamente habe, die mir helfen wieder logischer zu denken. Doch was ich vor allem tue, ist mich selber wissentlich immer wieder diesen Situationen zu stellen, in der Hoffnung, dass sie mir eines Tages keine Angst mehr machen.

Was ist mit euch, ihr wundervollen Menschen dort draußen? Habt ihr ähnliche Probleme, und vor allem, wie geht ihr damit um? Lasst es mich wissen und lasst uns einander gegenseitig helfen!

Ich hab euch alle so lieb!
Lottie

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11 Comments

  1. 01/09/2016 / 01:27

    Ach mensch, gerade erst über den Post gestolpert. Passenderweise habe ich vor etwa einer Woche auch einen über Panikattacken geschrieben.
    Klingt blöd, und man wünscht so etwas niemandem, aber es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist, nicht verrückt ist!

    I feel you Liebes <3

  2. cat
    30/08/2016 / 19:24

    Liebe Lottie,
    ich finde sehr mutig und auch überhaupt nicht selbstverständlich (auch für dich als Bloggerin) diesen schweren Teil deines Lebens mit der Welt zu teilen. Es ist berührend zu sehen, wie du mit einigen – ich nenne es mal sozialen Aspekten unseres Lebens -kämpfst, aber gleichzeitig die Energie hast so vielan Lebensfreude über deinen Blog, Instagram etc an anderen Menschen mitzugeben. Ich denke, genau, wie man „glücklich sein“ trainieren kann und genau so, wie du dir das gezielt angeeignet hast, wirst du auch aus diesen Panikattacken herauskommen können. Step by Step. Viel Erfolg und Glück dafür!

  3. 26/08/2016 / 16:47

    Der Beitrag ist soo super geschrieben! Finde es so schön, wie offen du darüber sprichst und dadurch bestimmt ganz ganz vielen, die auch damit zu kämpfen haben, hilfst!
    Love <3
    Laura
    http://www.meet-laura.com

  4. 25/08/2016 / 11:57

    Danke Lottie :)
    Ich gehe grundsätzlich nur ans Telefon, wenn ich den Anrufer kenne oder wenn ich zumindest vermute um wen es sich handelt.
    Bei unterdrückt oder anderen Nummern blockiere ich diese, soweit es geht, sofort, dass sie nicht nochmal anrufen können 😀
    Und selber anrufen, mache ich nur im allergrößtem Notfall. Meist muss mein Freund da aushelfen, der mich für leicht bescheuert hält, was das angeht. 😀

    Leider hat sich das bei mir auch nicht gebessert, obwohl ich in meinem Job häufig telefonieren muss. Aber so ist das wohl, man muss da durch. Und letztendlich leben wir ja noch :)

    Toller Post, tolle Frau :)

    Liebe Grüße
    Jassy

  5. Eva Jasmin
    14/08/2016 / 20:23

    Lottie der Post macht dich noch toller als du eh schon bist in meinen Augen! Einfach weil du Dinge ansprichst und mach dir keine Sorgen, alles wird schon irgendwie seinen Grund haben, du wirst deinen Weg gehen und du wirst von Mal zu Mal besser mit solchen Situationen umgehen! Ich weiß wenn ich das sage ist das sehr ironisch, da ich wirklich der Mensch bin, der sich am MEISTEN über jeden Scheiss Gedanken macht und stresst, aber du bist so so wundervoll, so wie du bist, versuch dich zu entspannen und mach dir nicht immer so einen Kopf. Wie du schon sagtest, welcher Flug genau es dann letzten Endes wird, ist doch eigentlich egal! Kleiner Tipp, ich gehe immer danach was am Günstigsten ist und womit ich möglichst viel Zeit an meinem Reiseort verbringen kann! 😀
    Liebste Grüße
    Eva

    http://www.eva-jasmin.de

  6. Anna
    12/08/2016 / 14:36

    Liebe Lottie,

    ich finde es sehr stark und bewundernswert, dass du diesen Eintrag veröffentlich hast. Darüber zu reden und es zuzugeben ist schon der erste Schritt in die richtige Richtung.

    Auch ich kenne diese Gefühle und habe seit Jahren, mal mehr und mal weniger, damit zu kämpfen. Besonders schlimm ist es bei mir, wenn es ums Autofahren oder um Reisen geht. Inzwischen habe ich es aber soweit im Griff, dass ich eine Panikattacke sofort erkenne und sie durch erlernte Techniken schnell in den Griff bekomme. Finde es nun sogar ganz normal und gar nicht mehr so schlimm, wenn sich etwas in der Richtung anbahnt.
    Geholfen zu verstehen, warum es mir in diesen Momenten so geht und wie ich damit umgehe, hat mir das Buch: Wenn plötzlich die Angst kommt – Panikattacken verstehen und überwinden von Roger Baker (klinischer Psychologe und Leiter einer staatlichen Forschungseinrichtung in Dorset, England). Vielleicht könnte Dir oder ein paar anderen das Buch auch etwas helfen!?

    Sich viele Gedanken zu machen, mal unsicher und vorsichtig zu sein ist ja wirklich, wie in den vorherigen Kommentaren schon beschrieben, etwas Natürliches und Gutes und macht auch viel von unserem Charakter aus.

    Einen tollen Tag und alles Gute wünscht Dir

    Anna

  7. Heike
    09/08/2016 / 18:44

    Liebe Lottie,
    as promised😊: Ein mutiger Post, ein wichtiger Post! Er zeigt die wahre Größe der“kleinen“ Lottie☺. Ein „Trost“: Gerade besonders intelligente Menschen haben wohl mit solchen Ängsten zu kämpfen. Und das ist keine Schande! Das ist eben so, muss es aber nicht bleiben! Deine Mittel sind schon sehr gut. Allein, ich möchte Dich ermutigen, Dich unterstützen zu lassen, um die Ursache herauszufinden und möglichst aufzulösen. Denn wir können uns als Subjekt nicht komplett objektiv betrachten, und brauchen dafür jemand Anderen, mit dem wir das gemeinsam herausfinden können. Wäre das nicht super? Keine Angst mehr zu haben, wenn das Telefon klingelt, Flüge zu buchen, wenn es Sinn macht und vor allem neue Menschen kennenzulernen, die Dein Leben bereichern werden und Du ihres😙. Und damit die Ängste nicht mehr Dein Leben bestimmen, sondern die Angst, die ja durchaus sinnvoll sein kann (sonst hätten wir sie ja nicht als eine Grundgefühl mitbekommen) wieder ihren geregelten Platz einnimmt.
    Alles Liebe
    Heike

  8. Conny
    09/08/2016 / 09:54

    Liebste Lottie!

    Ich war, wie du selbst geschrieben hast in diesem Post, erstaunt und konnte es nicht ganz fassen..Aber jeder Mensch ist so besonders und einzigartig und man weiß nie was sich alles dahinter verbirgt!
    Ich hoffe so so sehr, dass du nur selten Panikattacken bekommst und nicht allzu oft damit zu kämpfen hast – bzw. mittlerweile besser damit umgehen kannst als du vielleicht früher konntest.
    Ich finde es toll, dass du diesen Post veröffentlicht hast und es mit uns geteilt hast, ich denke, allein das zeigt, dass du doch schon einen Schritt weiter gekommen bist und dich jedenfalls damit beschäftigen kannst!
    Kennst du Zoella? Sie hat auch mal ein Video über Panikattacken veröffentlicht und darüber erzählt, wie sie damit umgeht…

    Danke, für die Antwort unter dem letzten Post übrigens!
    Hab dich lieb & arbeite momentan an ein paar Posts.

    Conny
    PS. bleib so wie du bist & genieße deinen vorletzten Tag in London :*

  9. Sandra
    09/08/2016 / 00:42

    Hey Lottie :)

    Danke für diesen Beitrag! Ich kann auch keine Anrufe entgegennehmen und kann nur telefonieren, wenn ich selber anrufe. Ausserdem habe ich panische Angst vor Zahnärzten und werde, wenn ich dann mal gehe, meist ohnmächtig, weil der Kreislauf vor lauter Panik nicht mehr mitmacht.

    Ich hoffe du findest einen Weg besser mit diesen Situationen umzugehen. Fühl Dich gedrückt!

  10. 08/08/2016 / 15:58

    Hallo liebe Lottie!

    Wow, Respekt für diesen Blogeintrag, der mich persönlich sehr berührt! Ich bewundere, wie offen Du mit diesem Thema hier umgehst, das zeigt Größe und vor allem viel Mut! Ich kann aus persönlichen Erfahrungen berichten, dass Angst und Panik nicht zu unterschätzen sind, egal in welcher Form sie auftreten. Es ist super wichtig, sich damit auseinander zu setzen und sich diesen Ängsten zu stellen und ich schätze mal, dass Du allein durch das Schreiben dieses Eintrages dies schon getan hast. Es ist verrückt, was die Psyche des Menschen manchmal treibt…das kann schon echt hart sein. Viel zu viele Menschen nehmen sowas nicht ernst oder reden solche Probleme klein, haben kein Verständnis. Aber Ängste, die tief in Dir sitzen, wirst Du so schnell nicht mehr los. Es gibt da auch kein Patentrezept, nur Hilfestellungen, aber den Weg aus der Angst muss man am Ende ganz allein für sich finden. Dennoch ist es toll, dass Du Deine Schwester hast, die Dir dann immer mal hilft und Du auch versuchst, Dich immer wieder zu stellen. Das ist super! Ich beschäftige mich auch immer wieder mit diesem Thema. Progressive Muskelentspannung, Meditation, Yoga, Autosuggestion und vor allem Konfrontation sind Möglichkeiten, die helfen können. Ich bin sicher, Du wirst Deinen Weg finden, nach und nach besser damit umzugehen, Deine drei aufgeführten Punkte zeigen das ja auch schon.

    Lass Dich nicht verunsichern! Keep your head up!

    Liebe Grüße
    Linda

  11. 08/08/2016 / 15:45

    Hey!
    Danke für diesen Blogeintrag!

    Ich selbst habe bzw. hatte Panikattacken. Das war vor allem nach meinen Schlaganfall sehr schwer für mich. Ich hatte Angst in die Ubahn zu steigen, allein zu sein. Mir hat es die Luft zugeschnurrt und ich brach in Tränen aus und fing zu zittern an.

    Gottseidank habe ich das, 5 Jahre nach dem Schlaganfall, wieder in den Griff bekommen. – Natürlich kann es sein, dass es mir an manchen Tagen nicht so gut geht und ich habe das Gefühl es kommt eine Attacke. Aber mittlerweile habe ich das ganz gut in den Griff bekommen. Ich weiß was ich zu tun habe wenn ich merke „Es ist wieder so weit“.

    Ich weiß nicht ob das was für dich ist, aber mir hilft „Progressive Muskelentspannung“ sehr gut. Solltest du vielleicht mal ausprobieren.

    Liebe Grüße,
    Jules

    http://www.missfinnland.at
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