Halbmarathon mit meinem Opa

Guten Abend!
Nun sitze ich warm und weich und mit unglaublich schmerzenden Knien im Bett. Neben mir meine Medaille, in meiner Tasse der erste Glühwein des Jahres, in einer Schüssel jede Menge Chips mit Essig-Geschmack. Oh mein Gott, diese Portion Salz habe ich absolut nötig!

Also, wie war nun mein Tag? Unglaublich. Unerwartet. Diese Worte fassen es perfekt zusammen. Nach einem riesigen Frühstück und einigen gesunden Snacks heute morgen, um Energiereserven anzulegen, sowie 2 Litern Wasser (hatte mir eine große Flasche genommen und fest vorgenommen sie bis zum Lauf leer zu machen!), hat mein Opa mich nach Tampere gefahren.

Auf der Fahrt wurde ich etwas nervös, da Opa sehr sehr langsam Auto fährt und sich auch noch verfahren hat, aber wir haben es so grade rechtzeitig zur Anmeldung geschafft. Vorm Start hatte ich auch noch gut Zeit zweimal aufs Klo zu gehen (vor Angst während dem Lauf zu müssen) und mich bisschen warm zu hüpfen und zu dehnen (hatte doch Muskelkater von gestern!).

Dann pünktlich zum Start habe ich sowohl die NikeRunning-App und meine Polar-Uhr gestartet und bin losgelaufen. Beide kann ich total empfehlen – die Nike-App hat mir immer durch die Kopfhörer durchgegeben wie viele Kilometer ich gelaufen war, die Uhr zeigte mir die Geschwindigkeit an. Ich laufe normal so 6min/km und hatte mir vorgenommen immer darunter zu bleiben – gezogen durch die anderen hab ich es dann doch geschafft, immer unter 5:30min/km zu bleiben!

Lustigerweise habe ich mich von sechs Runden für ganze 2,5 Runden an eine Frau gehängt, die immer in einem Tempo zwischen 5:00 und 5:18 vor mir lief. Ich glaube, ich kann es auch ihr verdanken, dass ich so schnell war, denn sie hat es mir gezeigt. Ich empfehle euch echt euch einen „Hasen“ zu suchen, der euch zieht, wenn ihr eine schnelle Zeit erreichen wollt!

Ein Halbmarathon ist eigentlich zwei Stunden Qual der Beine. Aber ich habe mir immer wieder gesagt, dass ich sie für das Gefühl danach gerne 2 Stunden quäle. Sonst ärgere ich mich nachher nur, dass ich doch eigentlich mehr hätte schaffen können. Und das Gefühl dabei war auch so klasse. So viel Motivation, so viel Stolz. Und die Leute am Rand waren unglaublich beeinflussend! So angefeuert zu werden, kann einem nur ein Lächeln ins Gesicht und Kraft in die Beine zaubern. Ab Kilometer zehn wurde es nämlich richtig anstrengend, aber an Stelle der Zuschauer konnte ich direkt wieder. Die Stellen bin ich sogar am schnellsten gelaufen, mit einem riesigen Dauergrinsen im Gesicht. Vielen vielen Dank für alle Menschen da draußen, die schonmal Läufer angefeuert haben – es hilft so sehr! Und das Beste ist es natürlich, wenn man einen eigenen Fan dabei hat: Mein Opa stand bei jeder Runde am Rand, klatschte, rief mir zu wie viele Runden ich noch vor mir habe und brachte mich zum Lachen!

Maraton
Ab Kilometer 15 habe ich auch darüber nachgedacht eine Pause zu machen und zu gehen. Es war zu verlockend und so viele Leute um mich herum gingen! Aber das war eigentlich vorher mein einziges Ziel gewesen: Durchzulaufen. Also Zähne zusammenbeissen und durch! Ich weiß, wie stolz ich nachher sein werde, also weiter!

Die letzte Runde war besonders hart. Ich spürte meine Beine kaum noch, und das, was ich spürte, war Schmerz. Ich sagte mir die ganze Zeit, dass es die letzte Runde ist. Komm, komm, nur noch paar Kilometer, das sind gar nichts. Manche Leute sind an dem Tag den ganzen Marathon oder sogar 50 oder 100km gelaufen (mein absoluter Respekt!), dagegen war mein Lauf ja gar nichts. Und dann, die letzten paar hundert Meter. Ich habe meine Beine angefeuert und noch einen kleinen Sprint hingelegt. Im Ziel erwarteten mich direkt mein Opa und ein Mann mit einer Medaille, der mir sagte, dass ich 7. von allen Halbmarathon-Läufern geworden bin. Ich habe ihn angestarrt und angefangen zu weinen. Der unbekannte Mann hat mich in den Arm genommen und feste gedrückt. Ich habe gezittert und geschluchzt. Es war traumhaft. Und wisst ihr was total verrückt war? Mein Opa hatte auch die Tränen in den Augen und hat mit zittriger Stimme der Kaffeefrau erzählt, dass ich seine Enkelin bin und unter zwei Stunden gelaufen bin. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll!

Mein Ziel war es, ins Ziel zu kommen. Mein Ziel war es, durchzulaufen. Mein Ziel war es, vielleicht an meine vorige Zeit von 2:16 dranzukommen. Mein Ziel war es, Spaß zu haben, und mir zu zeigen, dass das Laufen etwas gebracht hatte. Mein Ziel war es, mir selber zu beweisen, was ich doch alles kann. Und was ist passiert? Ich habe eine unglaubliche Zeit von 1:56 geschafft, über die ich noch immer nur den Kopf schütteln kann. Ich bin so stolz.

Im Ziel gab es Suppe und Limo und zuhause machte Opa mir direkt die Sauna warm. Nun habe ich eine halbe Tüte Chips verschlungen und hoffe, dass ich morgen überhaupt noch gehen kann. Ich bin dankbar für all eure Unterstützung, Motivation, eure lieben Snaps und Instagram-Kommentare, und weiß jetzt schon, dass ich alleine wegen dem Gefühl bald wieder einen Halbmarathon laufen werde. Wer weiß, vielleicht komme auch ich im April nach Berlin und treffe dort einige Instagrammer und vielleicht sogar wen von euch?

Zwei sehr sehr müde Beine.

Zwei sehr sehr müde Beine.

Wer weiß. Auf jeden Fall bin ich jetzt zufrieden und glücklich, und kann es jedem von euch nur ans Herz legen, sich für einen Lauf anzumelden und auf ihn hin zu trainieren, denn nichts ist belohnender oder macht glücklicher, als so etwas zu schaffen. Und für mich hat es noch einen persönlichen Grund: das Wissen, was ich schaffen kann. Das Wissen, was alles möglich ist, wenn ich es nur will. Das ist mir so viel wert. An Tagen, wenn es mir nicht so gut geht, oder an Tagen, an denen ich sogar traurig bin, weil meine Beine nicht hübsch lang und schlank sind, kann ich mich daran erinnern, dass diese Beine es schaffen, Halbmarathone in unter zwei Stunden zu laufen. Ich kann mich daran erinnern, dass ich einen Grund habe, stolz zu sein. Und der bin ich selber.

Eure Lottie

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19 Comments

  1. Susi
    20/06/2016 / 22:55

    Ein wirklich sehr inspirierender Blogpost! :)
    Hatte wirklich Tränen in den Augen, als ich ihn gelesen habe, weil ich mich so gut in deine Lage versetzen konnte.
    Eine tolle Leistung, sowohl deine Laufzeit, als auch dieser Text! Mach weiter so! :)

    • 22/06/2016 / 13:09

      Oh wie lustig! Das hier ist ja wirklich schon ein alter Blogpost, toll, dass du ihn trotzdem gefunden hast! Danach gab es ja schon einen weiteren Halbmarathon… mit einer noch besseren Zeit! 😉
      Und danke danke danke dir! Deine Worte haben mich so gefreut!

  2. 16/06/2016 / 16:08

    Liebe Lottie,

    ich habe gerade deinen Post über deinen Opa gelesen und dann noch diesen über deinen Halbmarathon. Und jetzt hab ich Tränen in den Augen. Tränen der Rührung, weil der Text zeigt wie sehr du deinen Opa liebst und auch Tränen der Trauer, weil ich dabei ganz viel an meine liebe liebe Oma denken musst, die leider nur noch von oben zuschauen kann.
    Es ist so toll, dass du deinem Opa zeigst wie wie lieb du ihn hast.

    Deine Constanze

    • 22/06/2016 / 13:12

      Wie lustig, dass dieser Blogpost gerade noch so viel gelesen wird! Freut mich aber total! Ja, mein Opa und ich sind wirklich ein ganz starkes Team. Früher waren Oma und ich es, aber jetzt seitdem es sie nicht mehr gibt, hat Opa den Platz eingenommen und ich bin wirklich so glücklich ihn zu haben!

  3. 03/11/2015 / 15:04

    Toller Artikel, Lottie!! Er motiviert auch mal einen Halbmarathon zu laufen! Ich werde dies nächstes Jahr im Juni in hamburg machen – bin schon sehr gespannt und werde dann wohl auch in der kalten Jahreszeit bald mit dem Training beginnen. Hut ab vor deiner Zeit! Da schreit dein Halbmarathon in Berlin ja nächstes Jahr quasi nach Wiederholung.

    • 03/11/2015 / 23:11

      Aaaah wie lieb du bist! Ja, Halbmaratone sind definitiv ne tolle Sache. Das ist soooo ein klasse Gefühl danach, man fühlt sich wochenlang wie ein Sieger! Der Halbmarathon in Berlin wird sicher absolut superklasse – aber ich wette, den werde ich nicht in so einer guten Zeit schaffen, da werden sicher viel mehr Menschen sein und es gibt so viel zu gucken. Aber ich werde weiter trainieren, unter 2 Stunden wären natürlich ein Traum!

  4. 01/11/2015 / 12:07

    Gratulation! Ich bin total stolz auf dich meine Liebe 😀 Sehr toll! Ich finde es spitze wie positiv du wahrst und deine Motivation ist echt Bombe! Ich bin ja noch nie wirklich gelaufen und weiß auch nicht ob ich das mal machen werde 😀 Ich finde aber Leute, die es durchziehen klasse 😀 und ich bewundere dein Durchhaltevermögen 😀 Auch total süß wie stolz dein Opa ist 😀 Du hast die Medaille verdient 😀 :*

    • 16/11/2015 / 16:23

      Ich bin inzwischen total süchtig nach Laufen – das hätte ich früher auch nie gedacht! Und ja, mein Opa ist der allerbeste! Der hat mich total motiviert alles zu geben!

  5. Jana
    26/10/2015 / 16:36

    Ich bin durch Zufall gerade auf deine Seite gestoßen und habe mir doch glatt mal diesen Artikel durchgelesen und habe auch gleich Pipi in den Augen. Du kannst super stolz auf dich sein und deinen Opa halt immer so fest es geht, solche Menschen darf man nie loslassen. Ganz toller Artikel, weiter so… und du hast jetzt einen neuen Leser :)

    • 26/10/2015 / 17:55

      Oooooh solche Worte bedeuten mir so so so so so viel! Danke danke danke! Mein Opa wird in 1,5 Wochen das nächste Mal besucht, ich freue mich schon! Er ist mir ganz ganz ganz wichtig!

  6. Anja
    25/10/2015 / 16:33

    Das einzige, was mir gerade einfällt, ist einfach nur: woooow!! Ich hab so mega Respekt vor deiner Leistung und der Text ist so unglaublich schön, das las sich nur mit einem dicken Grinsen im Gesicht :) Und dein Opa ist ja mega süß!!
    Hach, ich glaube ich muss auch mal auf einen Halbmarathon hintrainieren – sowas ist doch sehr ansteckend 😀
    Liebe Grüße,
    Anja

    • 25/10/2015 / 19:38

      Aaaaaah dein Kommentar bedeutet mir so viel! Danke danke danke! Ein Halbmarathon ist echt ein tolles Ereignis, man kann danach so stolz auf sich sein. Wobei das bestimmt bei fast jedem Lauf der Fall ist – als nächstes steht bei mir ein 10km-Weihnachtslauf an, mal sehen wie der wird!
      Mein Opa ist echt der Beste, er hat mich immer motiviert noch ein bisschen an Tempo zuzulegen! Eigene Fans dabei zu haben, ist glaub ich das motivierendste was es gibt. :) Das nur so als Tipp, falls du demnächst einen läufst! 😉 Halt mich auf dem Laufenden! Oder meld dich einfach an – dann musst du wohl oder übel da durch und auch trainieren!

    • 25/10/2015 / 19:34

      Mein Opa ist so ein richtiger Bilderbuchopa, das stimmt! Er repariert Fahrräder und fegt die Blätter im Garten zusammen, pflanzt Kartoffeln und kauft Kuchen für die Enkelkinder. 😉 Und DANKE! Jedes Lob bedeutet mir so viel, denn der Lauf war mir so wichtig! Also danke danke danke!

  7. 25/10/2015 / 07:48

    Oh wow! Mir fehlen gerade echt die Worte!!! Wie geil ist das denn? Herzlichen Glückwunsch liebe Lottie ❤ das ist echt eine gewaltige Leistung für den ersten Halbmarathon. Du kannst sehr stolz auf dich sein :)

    Liebe Grüße
    Anne

    • 25/10/2015 / 19:42

      Oh das ist so so so lieb von dir, danke! Ich hätte auch nie gedacht, dass ich je so schnell sein könnte! Aber die Stimmung war so motivierend, und jaaaaa jetzt bin ich stolz!